Auf ein Wort

Leitartikel aus unserem Gemeindebrief  für September/Oktober 2021                          


Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig;
ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt's in einen löchrigen Beutel.

Hag 1,6 (L)


Alles umsonst!

Der ganze Besitz wurde Opfer der Fluten. Keller überspült, Wohnungen unter Wasser, Garagen zerstört. So geht es vielen Leuten in Deutschland gerade. Soweit ich es gehört habe, sind wir weitestgehend verschont geblieben. Gott sei dank dafür!

Aber z.B. der Gemeinde in Hagen geht es da anders. Sie hatten von dem Hochwasser gehört und haben alle wertvollen Sachen hoch über den Boden gelagert. Das Wasser stand am Ende höher. Technische Geräte, Möbel, Bücher, alles unbrauchbar geworden. Trocknen würde nichts helfen – das Wasser war verschmutzt und voll von Abfall.

Alles verloren, alles umsonst.

Liebe Leserin, lieber Leser,

in solchen Momenten wird uns wieder einmal bewusst, wie schnell ein Lebenswerk zerstört werden kann. Was bringt es, Geld zu investieren, wenn es morgen weggenommen werden kann? Der Monatsspruch von September ist eine traurige Erinnerung daran:

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt's in einen löchrigen Beutel.
Hag 1,6 (L)

Im Jahre 597 v. Chr. erlaubte der König der Perser, Kyros II., den Juden die Rückkehr nach Israel. Tausende strömten zurück in ihr gelobtes Land. Für die Flüchtlinge war aber nicht genug zu Essen und kaum Platz zum Wohnen da. Es war eine harte Zeit und die Juden erlebten ganz hart, dass nie genug da ist, dass alle ihre Arbeit umsonst ist.

Der Prophet Haggai spricht die mutlosen Rückkehrer an. Wieso versuchen sie, Häuser für sich zu bauen und vergessen den Aufbau des Tempels? Der Tempel zu Jerusalem war das ursprüngliche Ziel ihrer Reise gewesen. Die Ruinen mussten wieder aufgebaut werden. In der harten Zeit hatten sie das aber ganz vergessen. Haggai verspricht ihnen in Gottes Namen: Wenn sie den Tempel aufbauen, dann wird es ihnen auch wirtschaftlich besser gehen.

Diese Geschichte kann man nicht 1:1 auf heute übertragen. Wir können aber eine wichtige Lektion lernen: Hängt euer Herz nicht zu sehr an Besitz, sondern achtet auf den Tempel Gottes!

Damals war der Tempel ein Gebäude, ein heiliger Ort. Heute gibt es ihn nicht mehr. Also muss es etwas anderes sein.

Ein Tempel ist ein Ort von Gottes Gegenwart. Und weil Gott in Form des Heiligen Geistes in uns gegenwärtig ist, sind wir Tempel! Wenn wir heute also den Tempel aufbauen wollen, dann sollten wir den Menschen möglich machen, Gottes Tempel zu erleben.

Das können wir tun, indem wir eine helfende Hand sind, ein Mund voller Trost, eine Schulter zum Tragen oder ein Herz voller Liebe für andere.

Lasst uns in dieser schweren Zeit Tempel für Gottes Gegenwart bauen!

Ihr / Euer Jonathan van Veldhuizen