Auf ein Wort

Leitartikel von Michael Oberländer
aus unserem Gemeindebrief Mai/Juni 2019


Unsere Worte haben große Macht! Das ist wohl eine Binsenweisheit. Aber eine, die es in sich hat. Worte, die wir miteinander reden, sind weit mehr als eine bloße Folge von Lauten, weit mehr als ein Sprachcode, der Informationen transportiert. Unsere Worte schaffen Wirklichkeit. Im wahrsten Sinne des Wortes. Im positiven wie im negativen Sinn. Das ist ein Fingerabdruck unseres Schöpfers in uns, dessen Ebenbild wir sind. Schuf er doch alles durch sein Wort, einschließlich seiner Menschen. So berichten es die ersten Verse der Bibel: Gott sprach: Es werde … Und es wurde. (1. Mose 1, 3ff). Die Bibel bezeugt an vielen Stellen, dass Gottes Reden, dass Gottes gesprochenes Wort sich auswirkt in sichtbarer und fassbarer Wirklichkeit. Nein, es war nicht die Tat, wie Goethes Faust meint; es war das Wort, das im Anfang war und mit dem alles, Welt und Geschichte, seinen Lauf nahm (vgl. Johannes 1, 1). Auch wir selbst, jede und jeder Einzelne, Sie und ich, sind geschaffen durch Gottes Wort. Gesehen und erdacht, bevor die Welt war und von ihm, dem Ewigen, mit Namen gerufen (s. Psalm 139, 13+16; Jesaja 43, 1). Da verschlägt’s uns glatt die Sprache und wir finden keine Worte mehr, wenn wir dies in den Worten der Heiligen Schrift auf nahezu jeder Seite uns zugesprochen finden.

Wir sind von Gott ausgesprochene und angesprochene Menschen! Von der Macht Gottes hallt etwas wider in unseren Worten. Das ist unser Adel und unsere Aufgabe zugleich. Davon spricht die Bibel an vielen Stellen (z. B. Jakobus 3, 2-12).

Das bezeugt der Monatsspruch für den Juni 2019: Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder (Sprüche 16, 24).

Ganz positiv setzt der Monatsspruch ein, wenn er freundliche Reden nennt und sie mit Honig gleichsetzt. Und so ist es doch auch, dass ein ehrlich gemeintes freundliches Wort „runtergeht wie Honig“. Wenn wir ehrlich freundlich miteinander reden, dann schafft das buchstäblich eine Wirklichkeit, die sich auf den ganzen Menschen auswirkt. Freundliche Reden gehen eben nicht nur in den Kopf, um dort verstanden zu werden. Freundliche Reden wirken ganzheitlich, um es mit einem modernen Begriff zu sagen. Freundliche Reden wirken auf Seele und Körper. Das ist eine kleine biblische Lehre der Psychosomatik. Nach ihr zu leben ist im Grunde so einfach. Wir brauchen nur einen Moment zu überlegen und wir finden ein freundliches Wort für unsere Nächsten und Allernächsten. Es braucht nicht viel und wir finden ein freundliches Wort für einen Menschen, für den das Leben „kein Honigschlecken“ ist. Vielleicht, weil Sorgen - finanzielle, gesundheitliche, familiäre Lasten ihn drücken. Ein freundliches Wort, eine freundliche Rede, kann für ihn den Unterschied machen zwischen einem bitteren Geschmack auf der Zunge und einem Moment, der ihm sein Leben ein wenig versüßt. Es braucht nicht viel und kostet nichts, ein freundliches Wort mit großer Wirkung zu sagen. Ein wenig Nachdenken, sich interessieren und in den Anderen hineinversetzen - das ist schon genug.

Und ehrlich sein! Nicht nur „jemandem Honig um den Bart schmieren“, sondern das sagen, was uns selbst guttun würde. Dann finden wir auch die richtigen Worte und machen die beglückende Erfahrung, dass wir in die Welt um uns her, in das Leben eines Menschen, eine neue Wirklichkeit gebracht haben. Und wenn wir dann gemeinsam froh werden, und „grinsen wie die Honigkuchenpferde“, dann ist das allemal besser, als der stoische Blick, mit dem wir in den vielen unschönen Nachrichten und unfreundlichen Reden dieser Welt Haltung bewahren wollen. Dann sind wir ganz in der Spur unseres Herrn Jesus Christus, der freundliche Reden für diejenigen parat hatte, die traurig, krank, belastet und bedrückt seinen Weg kreuzten. Seine freundlichen Reden gelten uns, und wir geben seine Worte in unseren Worten weiter. Das hat große - das hat SEINE Macht!

Michael Oberländer