Auf ein Wort

JoachimMöller

Das kleine Unternehmen war in letzter Zeit sehr erfolgreich, die Aufträge häuften sich und der Geschäftsführer konnte weitere Mitarbeiter einstellen. Aber jetzt wurde seine Halle zu klein. So überlegte er sich, eine neue, größere Halle zu bauen. Dann wollte er noch mehr Aufträge annehmen, einen Stellvertreter mit der Betriebsleitung beauftragen und sich aus dem Firmenalltag zurückziehen. Eine Weltreise wollte er machen und das Leben genießen. Er hatte es geschafft! Aber Gott entgegnete ihm: „Du Narr, noch in dieser Nacht wirst du sterben. Wer bekommt dann deinen Reichtum?“ (eine aktualisierte Fassung nach Lukas 12, 16-20)

Die Botschaft aus Jesu Gleichnis ist sicher nicht schwer herauszufinden, zumal er sie seinen Jüngern in den dann folgenden Versen erläutert: „Verkauft euren Besitz und gebt das Geld den Armen! Sammelt euch auf diese Weise einen Vorrat, der nicht alt wird und niemals zu Ende geht – einen Schatz im Himmel. Diesen Schatz kann kein Dieb stehlen und keine Motte zerfressen. Wo nämlich euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.“ (Lukas 12, 33-34)

Eingebettet ist dieser Abschnitt in Jesu Mahnungen: Sorget nicht, macht euch keine Sorgen um die Zukunft, schafft euch keine irdischen Vorräte an. Gott hat es immer schon gefallen, wenn Menschen sich nicht um ihre weltliche Versorgung gekümmert haben, wenn sie in gehorsamer Nachfolge im Vertrauen auf ihn von der Hand (Gottes Hand) in den Mund gelebt haben. Das Volk Israel musste das schon bei der Wüstenwanderung lernen. Manna gab es immer nur für einen Tag (außer am Sabbat).

Wie sieht es nun bei uns aus, in Zeiten von Renten-, Kranken-, Arbeitslosenversicherung, Riesterrente und sonstigen Altersvorsorgen und Versicherungen? Nun, manches ist Pflicht, manches vielleicht auch überflüssig und dazwischen gibt es viele menschlich vernünftige Verträge und Absicherungen. „Es ist gleich falsch, Allen oder Keinem zu trauen“, wird der römische Philosoph Lucius Seneca zitiert. Liegt die Wahrheit in der Mitte?

Mit Vertrauen bezeichnet man die persönliche Überzeugung von der Richtigkeit einer Sache oder der Redlichkeit einer Person. Vertrauen kommt aus der Wortgruppe „treu, stark, fest“. Es ist ein Phänomen, das in unsicheren Situationen, vor allem bei risikobehaftetem Ausgang, Bedeutung gewinnt. Wer sich einer Sache sicher sein kann, muss eigentlich nicht vertrauen. „Vertrauen bedeutet den ersten Schritt zu tun, auch wenn du die Treppe noch nicht ganz sehen kannst.“ (Martin Luther King)

Nun, keiner von uns kann das Ende der Treppe, seiner persönlichen Lebenstreppe, sehen. Auch die beste private Krankenversicherung mit Ein- oder Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung schützt uns nicht vor einem plötzlichen Tod, wie er dem Unternehmer oder dem reichen Kornbauern im Urtext angekündigt wurde. Unser Leben steht in Gottes Hand. Wenn uns das bewusst ist, dürfen wir sicher auch die üblichen Versicherungen abschließen, unsere Altersvorsorge regeln und ausreichend Vorräte anlegen. Das durfte und sollte Josef in Ägypten auch.

Wir dürfen dankbar sein, dass Gott uns gut versorgt. Auch wenn der Sommer zu trocken war, haben wir eine gute Ernte. Keiner braucht zu hungern, alle haben genug zu essen. Es muss nur gut verteilt werden. Da sprach der reiche Kornbauer zu sich: „Gott war so gütig zu mir und hat mir eine reiche Ernte beschert, deshalb werde ich mich jetzt um die Armen kümmern und von meinem Überfluss abgeben.“ Das wäre ein schöner Abschluss für das Gleichnis. Ein „Happy End“.

Aber die Geschichte könnte ja auch so weiter gehen: Da kamen die Armen und er gab ihnen zu essen. Es wurden aber immer mehr und sie kamen von immer weiter her. Da murrten einige seiner Arbeiter und sagten: „Es sind zu viele. Bald haben wir selbst nichts mehr.“ Kommt uns das bekannt vor? Man könnte die Geschichte noch weiter führen. Der Kornbauer könnte zum Beispiel die Ausgabe an die Armen stoppen oder zumindest deutlich reduzieren, vielleicht nur die Armen aus der Umgebung versorgen und die Fremden abweisen. Er könnte aber auch voller Vertrauen auf Gottes Güte auf eine weitere gute Ernte im nächsten Jahr hoffen.

Auch wir wollen Gott dankbar sein für seine große Güte, die wir in unserem Land besonders genießen dürfen - solange wir die Armen in der Welt nicht vergessen.

Joachim Möller

 

(Leitartikel aus unserem Gemeindebrief 9/10-2018)