Auf ein Wort

Leitartikel aus unserem aktuellen Gemeindebrief.


Was ich aber euch sage,  das sage ich allen: Wacht! Markus 13, 37


 

„Ich will, dass ihr in Panik geratet, dass ihr die Angst spürt.“
Diese Worte bekamen die Mächtigen dieser Welt im Januar 2019 beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos zu hören. Kein Politiker oder sonst in der Welt mächtiger Mensch hatte diese Worte zu ihnen gesagt. Es war die damals 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg, die diesen recht undiplomatischen Wunsch vor international führenden Wirtschaftsexperten, Politikern, Wissenschaftlern und anderen gesellschaftlichen Akteuren äußerte.

Greta Thunberg ist seither zum Gesicht einer neuen Bewegung geworden, der sich vor allem junge Menschen anschließen. Sie machen sich stark für Klimaschutz und Maßnahmen gegen den Klimawandel.

Es ist gut, wenn wir uns darauf besinnen, dass wir Verantwortung tragen. Verantwortung - nicht nur für unsere Mitmenschen und Zeitgenossen, sondern auch für die, die nach uns kommen. Verantwortung - nicht nur für unsere Mitgeschöpfe, die ihr Fleisch und Fell unter erbärmlichen und unwürdigen Verhältnissen zum möglichst günstigen Preis zu Markte tragen bzw. zu Markte getragen und getrieben werden. Verantwortung - nicht nur für unsere Mitwelt, die uns zum Bebauen und Bewahren anvertraut ist. Wir haben einen Schöpfungsauftrag! Den haben wir ernst zu nehmen und entsprechend zu handeln, wenn wir die 700 Meter zum Bäcker wieder einmal mit dem Auto fahren möchten! Wir können nicht so tun, als hätten wir „eine zweite Welt im Kofferraum“, wie die amerikanische Schauspielerin Jane Fonda einmal treffend formulierte. Insofern hat der Weckruf, den Thunbergs Bewegung Fridays for Future in die Welt sendet, seine Berechtigung. Er will und soll gehört werden! Auch und erst recht von Christen, die um den Schöpfer und das Wunderwerk seiner Schöpfung wissen. … Ich glaube an … den Schöpfer des Himmels und der Erde. (s. Apostolisches Glaubensbekenntnis).

Und doch ist meine Frage, ob Angst und Panik die richtige Haltung sind!
Angst und Panik sind keine guten Ratgeber, wenn es um wichtige und weitreichende Entscheidungen geht! Unser Herr Jesus Christus verschweigt nicht, dass seine Leute in dieser Welt auch Angst haben. Gerade angesichts dieser Tatsache ermutigt er sie jedoch, getrost und guten Mutes zu sein! (vgl. Johannes 16, 33)

Ja, selbst am Ende seiner Endzeitrede, die von beängstigenden Bildern und Aussichten durchaus erfüllt ist, ruft er nicht zu Angst und Panik auf. „Wachet“ – dazu ruft er auf!

In seiner Endzeitrede wirft Jesus Christus einen Blick auf die Zukunft und das Schicksal der Welt und der Gemeinde. Auch davon, dass unverrückbar geglaubte Naturkräfte ihre gewohnte Ordnung verlassen und verlieren, spricht er sehr deutlich. Dass seine Gemeinde in dieser Welt auch immer wieder einen schweren Stand hat, wird nicht verschwiegen. Vieles in den Worten unseres Herrn klingt wie ein „Vorabkommentar“ zu aktuellen Entwicklungen. (vgl. Markus 13, 24ff)

Und doch geht es in seiner Endzeitrede nicht um das allgemeine Ende aller Dinge. Vielmehr geht es um die großartige Aussicht, dass unser Herr wiederkommt, und dass gerade so manche erschreckende Entwicklung ein Vorzeichen werden muss. Wenn auch Himmel und Erde vergehen, so werden seine Worte nicht mit ihnen untergehen, sondern es wird seine Welt aufgehen und anbrechen.

Dem sollen seine Leute wachsam, d. h. erwartungsvoll und erwartungsfroh entgegensehen! Wer wach ist, sieht in den ökologischen, ökonomischen und politischen Ereignissen unserer Zeit nicht den drohenden Weltuntergang, sondern den „Feigenbaum, der mit frischem Saft erfüllt wird und Blätter treibt“ (Markus 13, 28). Wer wach ist, rechnet damit, dass unser Herr an jedem Tag und zu jeder Stunde kommen kann.

Die vor uns liegende Passionszeit ist eine große Chance, wieder erwartungsvoll und wach nach vorne zu blicken. Die Passions- und Osterzeit ist uns nicht zum wehmütigen und verklärenden Blick in die Vergangenheit gegeben. Der leidende und gekreuzigte Gottesknecht Jesus Christus hat gelitten und wurde gekreuzigt. Nun ist er der auferstandene und wiederkommende Herr! Daran erinnert die vor uns liegende Zeit!

Sie erinnert uns daran, dass unser Herr Jesus Christus sagt: Ich will, dass ihr in Erwartung geratet, dass ihr die Hoffnung spürt. So lässt sich leben – gelassen und wachsam!

Ihr/Euer Michael Oberländer