Seite 20 Bewegte
Zeiten In
die Zeit um die Jahrhundertwende führen die ersten Spuren zurück, wenn man nach
den Anfängen der Baptisten in Velbert sucht. Der damalige Pfarrer der evangelischen
Kirche in Velbert, ldel, rief in den 1890er Jahren zur Buße auf. Da er zudem sehr
vehement auftrat, hagelte es Beschwerden beim Konsistorium (Kirchenamt). Angriff
und Verteidigung nahmen an Heftigkeit zu. Am Ende wurde Pfarrer ldel mit Gefängnis
bestraft und verlor sein Amt. Er wurde später Wanderprediger. Auseinandersetzungen Die Gemeinde versammelte sich in dieser Zeit in einem gemieteten Gebäude in der Offerstraße, dem späteren Schwesternhaus. Neben den angedeuteten unterschiedlichen Auffassungen über die Bedeutung der Glaubenstaufe führte eine zunehmende Heiligungsbewegung mit Ansätzen zum Schwärmertum die Gemeinde in eine Zerreißprobe. Zu verschiedenartige Uberzeugungen waren beieinander, und in der Frage radikaler Heiligung mit charismatischer Prägung bald auch gegeneinander (gut nachzulesen bei K. Bussemer, Friedrich Fries als Diener der Gemeinde Jesu, Witten 1929, S.261-269). 1906 kam es zur Trennung. Dabei verließ der größere Tell der Gemeinde das Versammlungslokal an der Offerstraße. Man trat zu verschiedenen anderen Gemeinschaftskreisen der Stadt über. Einige trafen sich im Gemeindehaus Bethanien an der damaligen Ackerstraße. Dort entstand die Vorläuferin der heutigen Freien evangelischen Gemeinde. Der kleinere Kreis der baptistisch gesinnten Glieder der Gemeinde blieb in der Offerstraße und wurde in den nachfolgenden Jahren wirkungsvoll von der grösseren Nachbargemeinde in Wuppertal-Elberfeld unterstützt. Der erste Prediger Mit
großer Freude konnte die Gemeinde 1920 Bruder Schulz als ersten eigenen
Prediger berufen. Das war ein guter Halt für die kommenden Jahre, die durch
äussere Bedrängnisse gekennzeichnet waren. Der Versammlungsraum in der
Offerstraße wurde gekündigt, nachdem die Gemeinde sich nicht zum Kauf
des ihr angebotenen Hauses entschließen konnte. Vorübergehend mussten
deshalb die Gemeindeversammlungen von 1919 bis 1920 in einem Klassenraum der damaligen
Volksschule Sontumer Straße stattfinden. Für diesen Zeitabschnitt findet
sich im "Jahrbuch 1920 des Bundes der Baptistengemeinden in Deutschland"
folgender Eintrag: Als
nach einiger Zeit der Raum in der öffentlichen Schule nicht mehr zur Verfügung
stand, mußte die damals aus ca. 40 Gliedern bestehende Gemeinde in einen
Saal im Hinterhaus der Wirtschaft Ottingen an der PoststraBe 61 umziehen. Ungeachtet
der schwierigen räumlichen Verhältnisse wuchs die Gemeinde bis Februar
1930 auf 78 Glieder. Bruder Schulz hatte inzwischen ( 1925) einen Dienst in der
Gemeinde Hannover-Linden übernommen. Der Predigtdienst wurde danach vom Gemeindeleiter Albert Maue, tatkraftig unterstützt durch die Prediger aus der Gemeinde Wuppertal-Elberfeld, ausgeübt. Ein Auszug aus dem Mitgliederverzeichnis der Baptistengemeinde Elberfeld informiert über die Versammlungen im Jahr 1930:
Das Haus Bethanien Die Gemeindeentwicklung machte den Umzug in ein größeres Haus unausweichlich. Im Jahr 1930 war es soweit: die Gemeinde kaufte einen 1921 errichteten Gebäudekomplex auf dem Eckgrundstück Schwanen-,Hohenzollern- und Neustraße. Ein größeres Gebäude und ein Wohnhaus standen jetzt zu Verfügung. Erd- und Kellergeschoß waren an eine Schreinerei vermietet. In dem zugehörigen Wohnhaus an der Hohenzollernstraße wohnte die Kastellansfamilie Gustav Krüger. In dem neuen Gemeindehaus mit dem Name "Bethanien" stieg die Zahl der Gemeindeglieder bis auf etwa 90 im Jahr 1941, in dem es zu Vereinigung der Baptisten- mit der BfC-Gemeinde an der Hofstraße kam. Nach
der Übersiedlung in die Hofstraße wurde das Gebaude verkauft und durch
die Firma Engels GmbH in Notwohnungen umgebaut. 1961 wurde der gesamte Gebäudekomplex
im Zusammenhang mit städteplanerischen Maßnahmen abgerissen. Auch Taufgottesdienste konnten hier in einem
würdigen Rahmen gefeiert werden.
Viele
gehörten zum Jugendverein der Baptistengemeinde an der Poststraße. |