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Brüder, liebe Schwestern, bei dem Gesangsgottesdienst im März, hat Bruder
Wingenroth angedeutet, daß die Gemeinde Velbert ihre 100-Jahr-Feier feiern
kann. Es war vorgesehen, daß ich an diesem Tage einen Geschichtsbericht
über diese 100 Jahre geben sollte. Ich war aber damals im Krankenhaus und
will nun heute diesen Bericht nachholen. Im allgemeinen sind wir ja alle, besonders
die Jugend, ziemlich geschichtslos. Aber ich denke, es ist gut, wenn wir etwas
Geschichte treiben. Alle
wissen wir ja, daß die hiesige Gemeinde aus zwei Kreisen entstanden ist,
und zwar aus dem früheren Bund freikirchlicher Christen, oder kurz BfC bzw.
Christliche Versammlung, und der Baptisten-Gemeinde. Zuerst nun etwas aus der Geschichte der Christlichen Versammlung. Der Anfang als Stubenversammlung Vor
ca. 100 Jahren, 1870 oder 1871, das genaue Datum ist nicht bekannt, weil schriftliche
Unterlagen nicht vorliegen, begann in Velbert die Christliche Versammlung, und
zwar als Stubenversammlung in der Wohnung von Geschwister Wilhelm Erbach, Friedrichstr.
176, meinem Elternhaus gegenüber. In der Wohnung von Bruder Hornscheidt bzw. in den Geschäftsräumen der damaligen Stadtkasse (Bruder Hornscheidt war Stadtrentmeister hier in Velbert) waren dann die Versammlungen. In dieser Zeit kamen hinzu: Heinrich Seibel, der Vater unserer Schwester Erna Seibel, Hugo Mauermann, Vater unserer Schwestern Hilde und Elfriede Mauermann, die jetzt beide verheiratet sind; Hermann Kemmann, Gustav Vogelbusch, der Schwiegervater unserer Schwester Margarete Vogelbusch; und August Engels, der Vater unseres Bruders Karl Engels. Von Kurze Straße 4, da waren die Geschaftsräume, zog man dann gegenüber, well es zu klein dort wurde, in einen Saal der Wirtschaft Becker, I.Etage, und imJahre 1893, wurde ein Saal im Wohnhaus von Geschwister Hornscheidt eingerichtet, Parterresaal, der später durch einen Anbau erweitert wurde. Hier versammelten wir uns 19 Jahre lang. lch bin dort zur Sonntagschule gegangen von 1898 bis 1906. Endlich ein eigenes Haus Die
Geschwisterzahl stieg an und lag auf 100 und nach mehreren Jahren auf 200 Glieder,
so daß auch der vergrößerte Saal in der Kurze Straße zu
klein wurde. Unsere Väter entschlossen sich, ein eigenes Versammlungshaus
zu bauen und kauften vom Hotelier Stüttgen hier dieses Grundstück, auf
dem dieses Gebäude steht, und errichteten ein Versammlungshaus, das im Jahre
1912 eingeweiht und bezogen wurde. Damals war unsere Freude groß, endlich
ein eigenes Haus zu besitzen. Prediger gab es in der Christlichen Versammlung
nicht. Der Wortverkündigungsdienst wurde in der Hauptsache durch Bruder Wilhelm
Hornscheidt und Bruder August Engels versehen. Ferner auch durch Reisebrüder,
wie wir sie nannten, die jahrlich einmal uns besuchten und Hausbesuche machten.
1930 verlegte Bruder August Spade seinen Wohnsitz von Wiehl nach Velbert und diente
uns oft. 1948 ist Bruder Spade heimgegangen. Das entscheidende Jahr In
den 25 Jahren ab 1912 stieg die Zahl der Geschwister auf etwa 300 Glieder. Ein
entscheidendes Jahr für die Christliche Versammlung war das Jahr 1937. Wie
ein Blitz aus heiterem Himmel traf uns das Verbot der Hitler-Regierung am 28.
April 1937. Ein denkwürdiger Tag! Das Versammlungshaus, das weiß ich
noch, wurde von der Gestapo versiegelt. Wohin sollten wir jetzt gehen? Wir glichen
einer versprengten Schafherde und fragten uns alle, warum uns, gerade die Christliche
Versammlung und nicht die Freie Gemeinde oder einen anderen christlichen Kreis
das Verbot getroffen hatte. Nach und nach wurde uns jedoch immer klarer: Es ist
Gottes Sprache - und auf diesen Punkt komme ich später noch einmal zurück. Freundesbande zerrissen Langsam vermehrte sich die Zahl, doch etwa ein Drittel der damaligen Geschwister, ca. 100, glaubten den neuen Weg nicht mitgehen zu können. Wir haben damals alles versucht, damit es nicht zu einer Trennung kam, aber leider vergebens. Das war sehr schmerzhaft, denn es wurden manche Familien und Freundesbande zerrissen. Diese Geschwister versammeln sich jetzt in der Schillerstraße. Für uns jedoch, die wir glaubten das Reden Gottes verstanden zu haben, gab es keinen Weg in die frühere Enge mehr zurück. Nachbarschaft in der Offerstrasse II Nun
zum geschichtlichen Werdegang unserer früheren baptistischen Geschwister
bis zu unserer Vereinigung: In
diesen Kreis kam 1913 unser Bruder AIbert Maue. Einige Zeit später Bruder
Putzer, Vater von Schwester Paukstadt, Hugo Kurz, Fritz Steinbeck, Neuwians. Von
der Baptisten-Gemeinde Elberfeld, Rolandstraße wurde die kleine Schar mit
Liebe betreut. Prediger Merten (Dienstzeit in Elberfeld: 1902 - 1908) und später
Prediger Wupper ( 1908 - 1922) taten einen segensreichen Dienst. Verzeihung wegen unbrüderlichen Verhaltens Das war in groben Zügen die geschichtliche Entwicklung der beiden Gemeinden bis zur Vereinigung im Frühjahr 1941. Wie kam es zum Zusammenschluß ? Drei
Anlasse möchte ich nennen, die wesentlich dazu beigetragen haben: Dem Frieden nachjagen Darf
ich jetzt noch einmal an die entscheidende Brüdersitzung im Frühjahr
1941 in der Wohnung von Bruder Maue erinnern. Wie begann sie ? Bruder Maue hatte
sich vom Herrn erbeten, bei Beginn den Psalm 133 zu lesen. Er schlug die Bibel
auf und da sagte ihm eine innere Stimme: Lies nichts, sondern gib Bruder Schmitten
die Bibel! Und da schlug ich auf Psalm 133! Wir hatten das vorher nicht abgestimmt. Der Herr wolle uns helfen, daß wir immer dem Frieden, der so leicht davonweichen will, wie die Schrift sagt, "nachjagen". Bereicherungen und Umstellungen Was war nun die Folge dieses Beschlusses ? Unsere früheren baptistischen Geschwister verkauften ihr so lieb gewordenes Gemeindehaus in der Schwanenstraße und kamen zu uns hier in die Hofstraße. Das war ein groBes Opfer für sie, das sie aus Liebe gebracht haben. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit feierten sie mit uns an jedem Sonntag das Mahl des Herrn. Das war eine starke Umstellung für sie. Doch mit der Zeit ist es ihnen, denke ich, wenigstens bei vielen, zu einem inneren Bedürfnis geworden. Was mußten wir als der frühere BfC-Kreis von den Baptisten lernen ? Einmal, der starke missionarische Wille, die Anteilnahme an der Mission, dann die öffentliche Taufe. Wie ist sie uns doch alIen jedes Mal so groß! Welch segensreiche Feierstunden sind es jedes Mal, wenn wir Taufe haben, wenn wiedergeborenen Menschen vor Gott und der versammelten Gemeinde ihr Bekenntnis ablegen. Und wie ging es mit dem Liederbuch, dem Charakteristikum jeder Gemeinde ? Wir einigten uns in dieser ersten Brüderstunde bei Bruder Maue in Liebe auf das Singen in den Geistlichen Liedern an den Sonntagvormittagen und auf das Singen aus der Glaubensstimme an den Sonntagnachmittagen bzw. -abenden und in den Bibelstunden. Sind wir da nicht verkürzt worden ? Nein, im Gegenteil. Beide Kreise wurden bereichert. Ein neues Gemeindehaus Mit
204 Geschwistern vom BfC und 88 Geschwistern von den Baptisten fingen wir am 13.April
1941 als Evangelisch- Freikirchliche Gemeinde ein Neues an. Von den 291 Gliedern
sind im Laufe der 30 lahre weit über die Hälfte heimgegangen und verzogen
und über 300 Glieder sind in dieser Zeit hinzugekommen. Durch das Wachsen
der Gemeinde wurde der alte Gemeindesaal zu klein. Viele
erinnern sich noch, wie eng wir damals in den Bänken saßen. Eine Feier
wie heute nachmittag wäre in dem früheren Saal gar nicht möglich
gewesen. Er war viel zu klein. Für dieJugend und für die Sonntagschule
waren keine zweckentsprechenden Räume vorhanden. Dann entschlossen wir uns
zum Neubau. Hier in der Hofstraße begann das Ausschachten. Wegen des starken Frostes damals mußten die Arbeiten ein viertel Jahr ruhen. Doch im Frühjahr 1963 ging die Arbeit rüstig weiter. Am 19. April 1964 konnten wir unser neues Gemeindehaus hier einweihen. Das
war ein denkwürdiger Tag für die Gemeinde, ein Tag voller Festfreude.
Das Haus was so schön geworden. Wir als Brüder waren über dem Bauen
nicht auseinandergekommen, wie das manchmal geschieht, sondern in der Bruderschaft
noch mehr und fester zusammengewachsen. Auch die große Spendenfreudigkeit
beweist das. Wir haben ja jetzt keine Schulden mehr auf unserem Haus. Bruder Dr.
Tauth und Bruder Dr. Martin Metzger waren unsere Festredner damals. Am Einweihungstage
waren hier im Hause etwa 650 - 700 Personen. Wieviel Freude hat uns der Herr in
den vergangenen Jahren in diesem neuen Hause geschenkt. Wir wollen nicht vergessen,
IHM immer wieder dafür zu danken. Das übernommene Erbe treu verwalten Die
ersten Jahre unseres Zusammengehens waren nicht so ganz einfach. Wir mußten
uns aneinander gewöhnen und kennenlernen. Zurückblickend auf 30 Jahre gemeinsamen Wanderns als Gemeinde wollen wir den Herrn rühmen und preisen für seine Treue und wundersame Hilfe und vor alIen Dingen auch dafür, daß ER uns in diesen Jahren zu einer Gemeinde zusammengeschlossen hat, die sich liebt und füreinander da ist. 30Jahre hat es mit dem Herrn gut gegangen.Wir wollen bitten, daß es auch in den kommenden Jahren weiter so sein wird. Bruder Wingenroth und ich, der ich fast 35 Jahre die Verantwortung getragen, werden in nächster Zeit aus unseren Ämtern scheiden. Wir wollen da nicht traurig und verzagt werden, Wir wissen doch, Jesus Christus ist der Herr der Gemeinde. Auch dieser Gemeinde hier in Velbert. Er wird sie bauen und er wird auch uns wieder jüngere Brüder schenken, die diesen verantwortungsvollen Dienst auch weiter tun und das von ihren Vorgängern übernommene Erbe treu verwalten zum Segen der Gemeinde. lch
denke, ich darf das wohl im Namen aller sagen: Der Herr hat unseren Zusammenschluß
bestätigt. Wir sind nicht verkürzt, sondern bereichert worden. Wir haben,
wenn auch in bescheidenem Maße, den Wunsch des Herrn in dem hohenpriesterlichen
Gebet, Johannes 17, erfüllt: ..."auf daß sie alle eins seien,
auf daß die Welt erkenne, du habest mich gesandt."
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